Flexor-Pronator-Ursprung
Schmerzprovokation, Kraft und Ultraschall zeigen, wie relevant Tendinopathie oder Teilriss funktionell sind.
Golferellenbogen · Flexorensehne · Ulnarisnerv
Ihnen wurde wegen eines Golferellenbogens eine Injektion, Stoßwellentherapie oder sogar eine Operation empfohlen? Eine Zweitmeinung sollte dann nicht nur den Begriff „mediale Epicondylitis“ bestätigen. Entscheidend ist, ob tatsächlich die Flexor-Pronator-Sehne die Hauptschmerzquelle ist, ob Ulnarisnerv oder Innenband beteiligt sind, wie ausgeprägt eine Sehnenläsion ist und ob die bisherige Rehabilitation die Sehne bereits ausreichend belastbar gemacht hat.
Eine Zweitmeinung bedeutet nicht automatisch, gegen eine Operation zu entscheiden. Bei manchen Befunden ist eine weitere konservative Behandlung sinnvoll, bei anderen kann eine operative Versorgung verständlich und richtig sein. Ziel ist eine Entscheidung anhand von Befund, Funktion und Zielen, die Bildgebung, klinischen Befund, Belastungsprofil und persönliche Ziele zusammenführt.
Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze
Medizinisch unterscheiden
Schmerzprovokation, Kraft und Ultraschall zeigen, wie relevant Tendinopathie oder Teilriss funktionell sind.
Kribbeln, Taubheit und Subluxation brauchen eine andere Diagnostik und Behandlung als eine isolierte Sehne.
Bei Wurf- und Überkopfsport verändert eine Bandinstabilität den Therapie- und Return-to-Sport-Plan.
Golferellenbogen-Entscheidungsfinder
Mediale Sehne, Ulnarisnerv, Innenband, Ultraschallbefund und Belastung müssen gemeinsam betrachtet werden. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.
Kapitel 01
Ein Golferellenbogen ist meist eine Tendinopathie am gemeinsamen Ursprung der Handgelenksbeuger und Unterarmpronatoren an der Innenseite des Ellenbogens. Bei länger bestehenden Beschwerden handelt es sich häufig weniger um eine akute Entzündung als um eine degenerative Überlastungsstörung mit gestörter Sehnenanpassung [1,2]. Genau deshalb reicht die Diagnose „Entzündung“ für eine Therapieentscheidung oft nicht aus.
Kapitel 02
Nein. Nicht jeder Golferellenbogen muss operiert werden. Bei den meisten Betroffenen beginnt die Behandlung konservativ mit Belastungssteuerung, progressiver Kräftigung und einer gezielten Rehabilitation. Eine Operation wird eher bei anhaltend relevanter Einschränkung trotz strukturierter Behandlung und bei plausibler struktureller Pathologie erwogen [2,4].
Umgekehrt sollte eine Operation nicht allein deshalb verworfen werden, weil „Golferellenbogen normalerweise konservativ behandelt werden“. Ein höhergradiger Flexor-Pronator-Riss, relevante Ulnarisneuropathie oder ulnare Seitenbandinstabilität kann eine andere Behandlungsstrategie erfordern. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht pauschal „OP ja oder nein?“, sondern: Welche Struktur verursacht die Beschwerden und welche Therapie adressiert genau diese Struktur?
Einschätzung aus der Praxis
Bei einer Zweitmeinung zum Golferellenbogen interessiert nicht nur, ob die Sehne im MRT „auffällig“ aussieht. Entscheidend ist, ob genau dieser Befund den Schmerz erklärt. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu Ulnarisnerv und Innenband, weil eine reine Behandlung des Sehnenansatzes sonst am eigentlichen Problem vorbeigehen kann.
Kapitel 03
1. Wo sitzt der Schmerz exakt? Direkt am medialen Epicondylus, etwas distal im Flexor-Pronator-Ursprung, entlang des Ulnarisnervs oder tiefer im Gelenk?
2. Welche Bewegung provoziert den Schmerz? Greifen, Handgelenksbeugung, Pronation, Wurfbewegung, Stützbelastung oder Ellenbogenbeugung?
3. Ist die Flexor-Pronator-Sehne tatsächlich die Hauptschmerzquelle oder besteht eine kombinierte Pathologie?
4. Gibt es neurologische Symptome wie Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust im Ring- und Kleinfingerbereich?
5. Bestehen Hinweise auf eine ulnare Seitenbandverletzung oder funktionelle Valgusinstabilität?
6. Liegt ein Teilriss oder ein höhergradiger Sehnenriss vor und wie groß ist seine funktionelle Relevanz?
7. Welche Rehabilitation wurde bisher durchgeführt – und war sie wirklich progressiv und belastungsorientiert?
8. Wie stark sind Griffkraft, Ausdauer und sport- bzw. arbeitsbezogene Belastbarkeit eingeschränkt?
9. Welche zusätzlichen Maßnahmen wurden bereits eingesetzt: Bandage, ESWT, Kortison, PRP/ACP, Eigenblut oder andere Verfahren?
10. Welches konkrete Ziel besteht: schmerzfreier Alltag, körperliche Arbeit, Golf, Klettern, Wurfsport, Krafttraining oder Leistungssport?
Kapitel 04
Medialer Ellenbogenschmerz ist keine eindeutige Diagnose. Gerade bei Therapieversagen sollte deshalb überprüft werden, ob eine andere Struktur beteiligt ist. Der klinische Befund muss mit Ultraschall und gegebenenfalls MRT zusammengeführt werden [4,5,7].
| Mögliche Ursache | Typische Hinweise | Gezielte Zusatzdiagnostik |
|---|---|---|
| Mediale Tendinopathie | Druckschmerz am Flexor-Pronator-Ursprung; Schmerzen bei resistierter Handgelenksbeugung oder Pronation | Ultraschall, bei unklarem/höhergradigem Befund MRT |
| Ulnarisneuropathie | Kribbeln, Taubheit, Handkraftverlust, positives Tinel-Zeichen | Nervenultraschall, neurologische Untersuchung, Elektrophysiologie |
| Ulnare Seitenbandverletzung | Wurf-/Überkopfsport, Valgusschmerz, Instabilitätsgefühl | MRT/MR-Arthrographie, dynamischer Stressultraschall |
| Flexor-Pronator-Riss | Akuter Schmerz, deutlicher Kraftverlust, struktureller Defekt | Ultraschall oder MRT |
| Schnappender Ulnarisnerv / Trizeps | Klicken oder Schnappen bei Ellenbogenbeugung | Dynamischer Ultraschall |
| Intraartikuläre Ursache | Blockierung, Erguss, Bewegungseinschränkung, Arthrosezeichen | Röntgen, MRT oder CT |
| HWS / Nervenwurzel | Ausstrahlung, Sensibilitätsstörung, wechselnde Kraft | Klinische neurologische Untersuchung, ggf. weitere Diagnostik |
Kapitel 05
Die Diagnose bleibt in erster Linie klinisch. Wichtig sind Schmerzlokalisation, Belastungsprofil, aktive und passive Beweglichkeit, Druckschmerz am medialen Epicondylus, resistierte Handgelenksbeugung und Pronation, Griffkraft, Ulnarisprüfung, Valgusstabilität sowie die Untersuchung von Schulter, Halswirbelsäule und Handgelenk. Kein einzelner Test kann die Ursache sicher bestimmen [1,6].
Ein qualitätsgesicherter Ultraschall ist bei medialem Ellenbogenschmerz besonders hilfreich, weil er mehrere potenziell relevante Strukturen in einer Untersuchung abbildet. Typische Sehnenbefunde sind Verdickung, inhomogene oder echoarme Struktur, fokale degenerative Bereiche, Verkalkungen, Gefäßneubildung sowie Teilrisse. Zusätzlich kann dynamisch geprüft werden, ob der Ulnarisnerv luxiert, der mediale Trizeps schnappt oder sich das Innenband unter Valgusstress auffällig verhält [5,7,8].
Ein MRT ist besonders sinnvoll, wenn ein höhergradiger Sehnenriss, Begleitverletzungen oder eine unklare beziehungsweise therapieresistente Situation vorliegen. Es kann Rissausdehnung und -tiefe, Flexor-Pronator- und Innenbandpathologien, Knochenmarkveränderungen sowie intraartikuläre Begleitbefunde darstellen [9]. Der Befund sollte nicht isoliert als Operationsindikator verwendet werden.
Kapitel 06
Second-Look: 8 Punkte, die die Behandlung verändern können
Kapitel 07
Die konservative Behandlung ist bei den meisten Betroffenen die erste Wahl. Ziel ist nicht vollständige Schonung, sondern eine vorübergehende Reduktion der provokanten Belastung und anschließend ein planbarer Aufbau der Sehnenkapazität. Dazu gehören progressive Kräftigung des Flexor-Pronator-Komplexes, Griffkraft- und Ausdauertraining sowie ein sport- oder arbeitsbezogener Belastungsaufbau.
Isometrische, langsame dynamische und exzentrische Belastungen können je nach Reizbarkeit kombiniert werden. Eine kleine Studie zeigte Verbesserungen nach Ergänzung exzentrischer Übungen bei zuvor erfolglos behandelten Patienten; eine systematische Übersicht von 2026 bewertet die spezifische Evidenz weiterhin als begrenzt, weil nur wenige und kleine Studien vorliegen [11,12].
Stoßwellentherapie kann bei chronischen Beschwerden als Ergänzung zu einem aktiven Rehabilitationsprogramm diskutiert werden. Eine retrospektive Studie mit 36 Patienten mit isolierter medialer Epicondylitis berichtete nach drei wöchentlichen Sitzungen Verbesserungen von Schmerz und Funktion. Wegen der fehlenden Kontrollgruppe lässt sich daraus jedoch kein sicherer spezifischer Behandlungseffekt ableiten [13].
PRP und ACP sind autologe Blutprodukte und können bei chronischer, konkret lokalisierter Tendinopathie als ergänzender Therapieversuch diskutiert werden. Die Datenlage beim Golferellenbogen ist kleiner und heterogener als bei häufigeren Sehnenerkrankungen. Eine retrospektive Kohorte mit 33 Patienten verglich zwei leukocytenreiche PRP-Injektionen mit offener Operation: Beide Gruppen zeigten am Ende ähnliche Funktionswerte, die PRP-Gruppe war im Mittel schneller schmerzfrei und beweglich. Die Studie beweist wegen Design, Größe und fehlender Randomisierung jedoch keine Gleichwertigkeit [14].
Eine systematische Übersicht fand lediglich zwei vergleichende Level-III-Studien zu PRP versus Operation und bewertete PRP als vielversprechend, betonte aber den Mangel an größeren prospektiven standardisierten Studien [15]. Auch ultraschallgesteuertes Eigenblut plus Dry Needling zeigte in einer kleinen unkontrollierten Studie Verbesserungen, erlaubt aber keine sichere Aussage über die Wirksamkeit [16].
Für die Zweitmeinung ist deshalb entscheidend, nicht pauschal „PRP ja oder nein“ zu fragen. Sinnvoller ist: Liegt eine Tendinopathie vor, die überhaupt biologisch adressiert werden kann? Wurde die mechanische Belastungstherapie optimiert? Welches Präparat und welches Injektionsprotokoll ist gemeint? Und gibt es eine strukturelle oder neurologische Ursache, die durch eine Injektion nicht behoben werden kann?
Kortikosteroidinjektionen können kurzfristig Schmerzen reduzieren, die langfristige Wirkung ist jedoch weniger überzeugend. Bei medialen Injektionen ist wegen der Nähe des Ulnarisnervs eine präzise anatomische Durchführung besonders wichtig. Kortison ist keine regenerative Behandlung und sollte eine aktive Rehabilitation nicht ersetzen [1,2].
Für Hyaluronsäure, Zellpräparate, Stammzellverfahren und andere biologische Produkte ist die spezifische Evidenz beim Golferellenbogen begrenzt. Solche Verfahren sollten nicht als pauschaler Ersatz für korrekte Diagnostik, progressive Belastungstherapie oder die Behandlung einer relevanten Ulnaris- beziehungsweise Innenbandpathologie dargestellt werden.
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Diagnose ausreichend gesichert ist, relevante Beschwerden trotz strukturierter Rehabilitation fortbestehen und ein plausibler struktureller Befund vorliegt. In der Literatur wird häufig ein konservativer Behandlungszeitraum von etwa sechs bis zwölf Monaten genannt, wobei die individuelle Situation entscheidend bleibt [2,4].
Mögliche operative Verfahren sind Débridement erkrankter Sehnenanteile, Refixation des Flexor-Pronator-Ursprungs, Versorgung größerer Risse sowie – falls erforderlich – eine Behandlung von Ulnarisnerv oder Innenband. Systematische Übersichten berichten insgesamt überwiegend Verbesserungen nach Operation, können wegen der meist retrospektiven Daten aber keine eindeutige Überlegenheit einer einzelnen Technik belegen [18]. Kleine Serien zur Refixation zeigen gute Ergebnisse, sind jedoch keine Grundlage für pauschale Erfolgsversprechen [19–21].
Kapitel 08
Es gibt keinen allgemein gültigen MRT-Grenzwert, ab dem operiert werden muss. Eine retrospektive Studie fand größere transversale Risse des gemeinsamen Flexorensehnenansatzes häufiger bei operierten Patienten und ermittelte einen Schwellenwert von 2,7 mm. Dieser Wert hatte jedoch nur begrenzte Sensitivität und Spezifität und darf nicht als allgemeiner Operationsgrenzwert verwendet werden [17].
Die Operationsentscheidung entsteht aus der Kombination von Schmerz, Kraftverlust, Beruf, Sport, Begleitverletzungen, Bildgebung und Qualität der bisherigen Rehabilitation.
Kapitel 09
Kribbeln, Taubheit im Klein- und Ringfingerbereich, nächtliche Beschwerden oder Handkraftverlust sprechen für eine zusätzliche Ulnarisproblematik. Der Ultraschall kann Kompressionszeichen und ein dynamisches Herausspringen des Nervs zeigen. Je nach Befund kommen Belastungsanpassung, Nachtschiene, Nervenmobilisation oder bei anhaltender relevanter Kompression eine operative Dekompression beziehungsweise Transposition infrage [5,7].
Bei Wurf- und Überkopfsportlern kann das ulnare Seitenband die entscheidende Struktur sein. Valgusstress, MRT und dynamischer Stressultraschall helfen bei der Abgrenzung. Die Therapie reicht von Belastungspause und schrittweisem Wurfaufbau bis zur Rekonstruktion bei struktureller Instabilität [4,10].
Kapitel 10
Eine Zweitmeinung bedeutet nicht …
Eine Zweitmeinung soll …
Kapitel 11
Eine seriöse Zweitmeinung ist ergebnisoffen. Wenn ein höhergradiger struktureller Defekt, relevante Nervenkompression oder Instabilität vorliegt und die Beschwerden dazu passen, kann die bereits vorgeschlagene Operation medizinisch bestätigt werden. Ebenso kann sich ergeben, dass die Rehabilitation noch nicht ausgeschöpft ist oder dass statt der Sehne eine andere Struktur behandelt werden muss.
Kapitel 12
Die gleiche Bildgebung kann bei zwei Menschen zu unterschiedlichen sinnvollen Entscheidungen führen. Für jemanden mit überwiegend sitzender Tätigkeit und moderatem Sport können andere Belastungsziele gelten als für Handwerker, Kletterer, Golfer oder Wurfsportler. Entscheidend sind Griffbelastung, Wiederholungszahl, Kraft, Ermüdungstoleranz und die Möglichkeit, die Belastung während der Rehabilitation anzupassen.
Kapitel 13
Return to Sport sollte nicht allein über eine feste Wochenzahl entschieden werden. Sinnvolle Kriterien sind schmerzarmes Greifen und Halten, ausreichende Beweglichkeit, verbesserte Griffkraft im Seitenvergleich, tolerierte Pronation und Supination, belastbare Flexor-Pronator-Muskulatur und keine deutliche Beschwerdezunahme am Folgetag. Für Golf, Tennis, Klettern, Wurf- und Kraftsport sollte die sportartspezifische Belastung stufenweise wieder aufgebaut werden.
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
1. Welche Struktur verursacht meine Beschwerden am wahrscheinlichsten?
2. Passt der Bildbefund zu meinen Schmerzen und meinem Kraftverlust?
3. Ist die Flexor-Pronator-Sehne nur degenerativ verändert oder tatsächlich höhergradig gerissen?
4. Sind Ulnarisnerv und ulnare Seitenbandstabilität ausreichend geprüft?
5. Welche konservative Behandlung wurde bereits wirklich ausgeschöpft?
6. Welche Rolle können Stoßwelle, PRP/ACP oder Eigenblut in meinem konkreten Fall noch spielen?
7. Was genau soll operiert werden: Débridement, Release, Refixation oder Rissrekonstruktion?
8. Muss der Ulnarisnerv gleichzeitig behandelt werden?
9. Welche Alternative besteht, wenn ich zunächst nicht operiere?
10. Ist mein Befund zeitkritisch oder ist ein weiterer konservativer Versuch vertretbar?
11. Wie sieht die Rehabilitation nach dem vorgeschlagenen Verfahren aus?
12. Nach welchen funktionellen Kriterien darf ich zu Beruf und Sport zurückkehren?
Kapitel 17
1. Unterlagen und Bildgebung – Vorhandene Befunde werden gesichtet; bei bildgebungsrelevanten Fragen werden die Originalbilder direkt beurteilt.
2. Anamnese und Belastungsprofil – Schmerzbeginn, Verlauf, Beruf, Sport, bisherige Therapie und persönliche Ziele werden strukturiert erfasst.
3. Klinische Untersuchung – Sehne, Griffkraft, Pronation, Ulnarisnerv, Valgusstabilität und relevante Nachbarregionen werden gezielt geprüft.
4. Dynamische Diagnostik – Bei geeigneter Fragestellung kann Ultraschall helfen, Sehnenstruktur, Ulnarisnerv und bewegungsabhängige Veränderungen zu beurteilen.
5. Therapieoptionen vergleichen – Rehabilitation, Belastungssteuerung, ESWT, Injektionstherapie und operative Optionen werden mit ihren jeweiligen Zielen und Grenzen eingeordnet.
6. Konkrete Empfehlung – Am Ende sollte feststehen, welche Option medizinisch bevorzugt wird, wie dringlich die Entscheidung ist und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Kapitel 18
Auch nach einer Operation kann eine Zweitmeinung sinnvoll sein, wenn Schmerzen, Kraftverlust oder neurologische Symptome anhalten. Dann geht es um andere Fragen: Ist die postoperative Heilung plausibel? Besteht eine relevante Restläsion, Nervenproblematik oder Instabilität? Ist die Rehabilitation passend dosiert? Und gibt es eine konservative Option, bevor eine Revisionsoperation diskutiert wird?
Kapitel 19
Muss ein Golferellenbogen immer operiert werden?
Nein. Die meisten Fälle werden zunächst konservativ behandelt. Eine Operation wird vor allem bei anhaltender relevanter Einschränkung trotz strukturierter Rehabilitation und bei einem dazu passenden strukturellen Befund geprüft. Größere Risse, Nervenkompression oder Instabilität können die Entscheidung verändern.
Ist PRP beim Golferellenbogen sinnvoll?
PRP kann bei chronischer, konkret lokalisierter Tendinopathie als ergänzende Option diskutiert werden. Die spezifische Evidenz ist jedoch klein und heterogen. Wichtig ist, dass eine relevante Ulnaris-, Band- oder höhergradige Risspathologie zuvor ausgeschlossen beziehungsweise richtig eingeordnet wird.
Ist ACP etwas anderes als PRP?
ACP ist eine Form autologen plättchenreichen Plasmas. Die Präparate unterscheiden sich unter anderem in Leukozytengehalt, Thrombozytenkonzentration, Volumen und Aufbereitung. Deshalb lassen sich Studienergebnisse nicht ohne Weiteres auf jedes Produkt und jedes Protokoll übertragen.
Hilft Stoßwellentherapie?
Stoßwelle kann bei chronischen Beschwerden ergänzend zu einem progressiven Kraftprogramm eingesetzt werden. Für die mediale Epicondylitis gibt es positive, aber insgesamt begrenzte Daten. Sie sollte nicht als alleiniger Ersatz für Belastungssteuerung und Rehabilitation verstanden werden.
Wann ist ein MRT nötig?
Ein MRT ist besonders hilfreich bei Verdacht auf einen größeren Sehnenriss, begleitende Innenbandpathologie, intraartikuläre Veränderungen oder bei unklaren beziehungsweise therapieresistenten Beschwerden. Für dynamische Ulnaris- oder Schnappprobleme kann Ultraschall sogar informativer sein.
Reicht der schriftliche MRT-Bericht für eine Zweitmeinung?
Der Bericht ist eine wichtige Zusammenfassung. Für eine komplexe Therapieentscheidung kann die direkte Beurteilung der Originalbilder zusätzliche Informationen zu Rissmorphologie, Begleitpathologie und der funktionellen Bedeutung eines Befundes liefern.
Kann der Ulnarisnerv die Ursache sein?
Ja. Kribbeln, Taubheit, nächtliche Beschwerden oder Kraftverlust der Hand sprechen eher für eine Ulnarisbeteiligung. Sie kann zusätzlich zu einer Tendinopathie vorliegen und sollte gezielt untersucht werden.
Wie lange sollte man konservativ behandeln?
In der Literatur wird vor einer Operation häufig ein konservativer Zeitraum von etwa sechs bis zwölf Monaten genannt. Das ist kein starrer Grenzwert. Die Dauer hängt von Befund, Funktion, Belastungszielen, Qualität der Rehabilitation und möglichen Begleitpathologien ab.
Kann ich mit Golferellenbogen weiter trainieren?
Häufig ja, aber die Belastung sollte so angepasst werden, dass die Beschwerden kontrollierbar bleiben und am Folgetag nicht deutlich zunehmen. Ziel ist kein monatelanges komplettes Pausieren, sondern eine dosierte Rückkehr zu Griff-, Zug-, Wurf- oder Schwungbelastungen.
Was passiert, wenn die Zweitmeinung die Operation bestätigt?
Dann hat die Zweitmeinung ihren Zweck ebenfalls erfüllt: Sie macht verständlich, warum die Operation in der konkreten Befundkonstellation sinnvoll ist, welche Struktur behandelt werden soll und welche Alternativen beziehungsweise Folgen eines weiteren Abwartens bestehen.
Kann ich auch nach einer Operation eine Zweitmeinung einholen?
Ja. Bei persistierenden Beschwerden kann geprüft werden, ob Heilung und Rehabilitation plausibel verlaufen, ob eine Nerven-, Band- oder Restsehnenproblematik besteht und ob vor einer erneuten Operation noch konservative Optionen sinnvoll sind.
Kapitel 20
Der Golferellenbogen ist meist eine Tendinopathie des Flexor-Pronator-Ursprungs, aber medialer Ellenbogenschmerz kann mehrere Ursachen haben. Eine hochwertige Zweitmeinung prüft deshalb zuerst, welche Struktur tatsächlich für die Beschwerden verantwortlich ist. Erst danach ist sinnvoll zu entscheiden, ob Rehabilitation weiter optimiert, Stoßwelle oder PRP/ACP ergänzt, eine Nerven- oder Bandproblematik behandelt oder eine Operation geplant werden sollte.
Die richtige Frage lautet nicht: „Welche Therapie ist beim Golferellenbogen grundsätzlich die beste?“ Sondern: Welche Behandlung passt bei diesem konkreten Befund, dieser Belastung und diesem Ziel am besten?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Bildbesprechung oder ärztliche Therapieentscheidung.

Meine persönliche Einordnung
Originalbilder, Untersuchung, Sehnen- und Nervenfunktion, Verlauf sowie Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.
Belastungssteuerung und progressiver Kraftaufbau bilden bei vielen Ellenbogenproblemen die Grundlage.
Stoßwelle, PRP beziehungsweise ACP, Hyaluronsäure oder weitere Verfahren können je nach Diagnose den aktiven Plan unterstützen.
Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.
Mitbringen: Original-MRT-, Ultraschall- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.
Golferellenbogen-ZweitmeinungSprechstunde in München
Im Termin besprechen wir, ob Rehabilitation fortgesetzt, eine Zusatzbehandlung ergänzt oder eine Operation geprüft werden sollte.