Ein orthopädisches Gutachten soll nicht nur eine Diagnose wiederholen. Es soll verständlich beantworten, welche Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen, wodurch sie entstanden sein können, welche Befunde bereits vorher bestanden und welche dauerhaften funktionellen Folgen aktuell objektivierbar sind.
Im OrthoCenter München erstellt PD Dr. med. Daniel Berthold medizinische Stellungnahmen und orthopädische Gutachten zu Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates. Im Mittelpunkt stehen eine strukturierte Untersuchung, die vollständige Auswertung der Unterlagen und eine Einordnung anhand der Unterlagen und Befunde von Unfallmechanismus, Bildgebung, Behandlung und Funktionszustand.
Ein gutes Gutachten trennt medizinische Befunde, Kausalitätsbewertung und rechtliche Schlussfolgerungen. Die Entscheidung über Haftung, Versicherungsleistung oder Schmerzensgeld bleibt den zuständigen Stellen und juristischen Beratern vorbehalten [1], [2].
Kurz erklärt
Ein orthopädisches Gutachten ist eine strukturierte medizinische Beurteilung von Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates. Es beantwortet eine konkrete Fragestellung anhand von Aktenlage, klinischer Funktion, Bildgebung, Verlauf und – wenn relevant – einer verständlichen Kausalitätsanalyse.
- 01FragestellungAuftrag, Rechtsbereich und medizinische Fragen präzisieren
- 02UnterlagenAkten, Originalbilder und zeitlichen Verlauf vollständig ordnen
- 03FunktionBefunde und gegebenenfalls persönliche Untersuchung zusammenführen
- 04BegründungSchlussfolgerungen offen aus den erhobenen Daten ableiten
Für welche Fragestellungen ist ein orthopädisches Gutachten sinnvoll?
Orthopädische Gutachten können bei unterschiedlichen Ausgangslagen benötigt werden:
- Unfallfolgen nach Arbeits-, Wege-, Verkehrs- oder Freizeitunfällen
- Privatgutachten vor einer Auseinandersetzung mit Versicherung oder Haftpflicht
- Beurteilung von Vorschäden und degenerativen Veränderungen
- Kausalität zwischen Unfall und aktueller Beschwerde
- Bewertung von Operationsfolgen oder möglichen Behandlungsfehlern
- Gegengutachten zu einer bereits vorliegenden medizinischen Einschätzung
- medizinische Stellungnahmen für Rechtsanwälte, Versicherte oder Versicherungen
- Einschätzung von Invalidität und funktionellen Dauerschäden
- Beurteilung orthopädischer Einschränkungen bei Berufsunfähigkeit
- Einordnung von Arbeitsfähigkeit, Belastbarkeit und Rückkehr zu körperlicher Tätigkeit
Typische Körperregionen sind Schulter, Ellenbogen, Wirbelsäule, Hüfte, Knie, Sprunggelenk und Fuß. Je nach Fragestellung können auch mehrere Gelenke oder die gesamte Bewegungskette berücksichtigt werden.
Welche Informationen muss ein Gutachten beantworten?
Die konkrete Fragestellung bestimmt den Aufbau. Häufig geht es um mehrere Ebenen, die nicht miteinander vermischt werden sollten.
Die wissenschaftliche Methodik der Kausalitätsanalyse verlangt unter anderem eine zeitliche Prüfung, eine Beurteilung des Mechanismus, den Abgleich mit objektiven Befunden und die Berücksichtigung vorbestehender Erkrankungen [3]. Ein zeitlicher Zusammenhang allein beweist noch keine medizinische Ursache.
Orthopädisches Gutachten nach Unfall
Nach einem Unfall ist die zeitliche Abfolge besonders wichtig. Für die Bewertung sollten möglichst vollständig vorliegen:
- Unfallbeschreibung mit Bewegungsablauf und einwirkender Kraft
- Erstbefund mit Schwellung, Bewegung, Kraft und Stabilität
- Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen aus der unfallnahen Zeit
- Operationsberichte und arthroskopische Dokumentation
- Rehabilitations- und Physiotherapieverlauf
- spätere Bildgebung und aktuelle Untersuchungsbefunde
- Angaben zu Beschwerden und Belastbarkeit vor dem Ereignis
- konkrete berufliche, sportliche und alltägliche Anforderungen
Bildgebung kann helfen, akute von chronischen Befunden zu unterscheiden. Sie kann Verletzungen zeitlich einordnen und Vorschäden sichtbar machen, erlaubt aber häufig keine exakte Datierung eines einzelnen Risses oder Schmerzbeginns [4]. Die Aufnahmen müssen deshalb immer mit Unfallhergang, klinischem Verlauf und früheren Befunden abgeglichen werden.
Kausalität und Vorschäden
Gerade an Knie, Schulter und Wirbelsäule finden sich häufig degenerative Veränderungen, die auch ohne Unfall Beschwerden verursachen können. Ein MRT-Befund wie Meniskusriss, Rotatorenmanschettenläsion oder Bandscheibenveränderung beantwortet daher nicht allein die Frage nach der Unfallursache.
Bei der Kausalitätsprüfung werden unter anderem folgende Fragen betrachtet:
- War die betroffene Person vor dem Unfall beschwerdefrei oder belastbar?
- War der Unfallmechanismus für die konkrete Verletzung geeignet?
- Trat die Funktionsstörung zeitnah und verständlich auf?
- Gibt es objektive Erstbefunde wie Erguss, Kraftverlust, Instabilität oder Fraktur?
- Zeigen Verlaufskontrollen eine passende Entwicklung?
- Welche Vorschäden bestanden bereits an der betroffenen oder gegenüberliegenden Seite?
- Sind aktuelle Beschwerden durch den Unfallbefund ausreichend erklärbar?
Bei einer VKB-Ruptur mit Meniskus- und Knorpelschaden können beispielsweise primäre Verletzungen und spätere Folgen chronischer Instabilität nebeneinander bestehen [5], [6]. Bei Rotatorenmanschettenverletzungen müssen Unfallmechanismus, Muskelqualität, Sehnenretraktion und degenerative Veränderungen gemeinsam bewertet werden [7].
Objektive Funktionsprüfung
Die Folgenbewertung darf sich nicht auf Schmerzen oder einen einzelnen Bildbefund beschränken. Entscheidend ist, welche Funktion dauerhaft eingeschränkt ist.
Je nach Körperregion werden unter anderem untersucht:
- Bewegungsumfang und schmerzhafte Bewegungsgrenzen
- Kraft und Kraftausdauer im Seitenvergleich
- Gelenkstabilität und Kontrollfähigkeit
- Gangbild, Einbeinstand und funktionelle Belastung
- Greif-, Hebe-, Trage-, Stütz- und Drehfähigkeit
- Treppensteigen, Hocken, Knien und längeres Gehen
- Belastbarkeit bei Überkopf-, Zug- oder Rotationsbewegungen
- Reaktion auf wiederholte Belastung und Ermüdung
Standardisierte Scores wie Constant-Score, DASH, KOOS oder vergleichbare Instrumente können die Untersuchung ergänzen. Sie ersetzen jedoch nicht die ärztliche Befundung und müssen zur konkreten Fragestellung passen [8].
Medizinisches Gutachten und rechtliche Bewertung
Ein medizinisches Gutachten beschreibt und bewertet medizinische Tatsachen. Es entscheidet nicht selbst über:
- Haftung oder Schuld
- Anerkennung eines Versicherungsfalls
- Höhe des Schmerzensgeldes
- Eintritt einer Berufsunfähigkeit im rechtlichen Sinn
- Anspruch auf eine bestimmte Versicherungsleistung
- oder die endgültige MdE- beziehungsweise Invaliditätsentscheidung
Diese Fragen hängen vom jeweiligen Verfahren, Vertrag und rechtlichen Maßstab ab. Das Gutachten liefert dafür die medizinische Grundlage, indem es Befunde, Funktion, Kausalität und Prognose verständlich darstellt.
Ablauf eines orthopädischen Gutachtens in München
Vorbereitung
Vor dem Termin werden Fragestellung und vorhandene Unterlagen geprüft. Wichtig sind insbesondere Arztberichte, Bildgebung, Operationsberichte, Rehabilitationsunterlagen, frühere Befunde und gegebenenfalls berufliche Anforderungsprofile.
Persönliche Untersuchung
Die Untersuchung umfasst eine Anamnese, die Überprüfung der bisherigen Beschwerden und eine objektive Funktionsprüfung. Je nach Fragestellung werden Beweglichkeit, Kraft, Stabilität, neurologische Funktion und Belastbarkeit erhoben.
Bildbesprechung
Vorhandene Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen werden nicht isoliert betrachtet. Entscheidend ist, ob sie zur Untersuchung, zum Unfallmechanismus und zur zeitlichen Entwicklung passen.
Schriftliche Ausarbeitung
Das Gutachten enthält die Fragestellung, die wesentlichen Unterlagen, die Untersuchungsbefunde, die medizinische Beurteilung, die Kausalitätsabwägung und eine konkrete Antwort auf die gestellten Fragen. Unsicherheiten und alternative Erklärungen werden ausdrücklich benannt [1].
Welche Unterlagen sind zum Termin sinnvoll?
- aktuelle und frühere Arztberichte
- MRT-, CT- und Röntgenbilder möglichst mit Befundbericht
- Operations- und Entlassungsberichte
- Reha- und Physiotherapieberichte
- Unfallanzeige oder Unfallbeschreibung
- frühere Befunde der betroffenen Körperregion
- Angaben zu Beschwerden und sportlicher oder beruflicher Belastbarkeit vor dem Ereignis
- vorhandene Gutachten und Stellungnahmen
- konkrete Fragen des Auftraggebers oder der rechtlichen Vertretung
Digitale Bilddaten sind für die Beurteilung meist hilfreicher als ein alleiniger schriftlicher Radiologiebericht. Ein schriftlicher Befund kann den klinischen Zusammenhang nicht vollständig ersetzen [9].
Orthopädische Gutachten bei PD Dr. Daniel Berthold
PD Dr. med. Daniel Berthold verbindet die orthopädische und unfallchirurgische Untersuchung mit einer strukturierten Bewertung von Bildgebung, Behandlung und Funktionsfolgen. Im Mittelpunkt steht eine verständliche medizinische Antwort auf die konkrete Fragestellung – unabhängig davon, ob es um ein Privatgutachten, eine Unfallfolge, ein Gegengutachten oder eine Stellungnahme zu Invalidität und Berufsunfähigkeit geht.
Das OrthoCenter München befindet sich in der Maximilianstraße 10, 80539 München. Termine können telefonisch unter +49 89 461 34 53 0 oder per E-Mail an info@ortho-center.eu vereinbart werden.
Fazit
Ein orthopädisches Gutachten in München sollte mehr leisten als die Zusammenfassung eines MRT-Berichts. Es muss Unfallmechanismus, Vorgeschichte, zeitnahe Befunde, Behandlung, aktuelle Funktion und mögliche konkurrierende Ursachen in einer konkreten medizinischen Argumentation verbinden.
Die wichtigsten Grundsätze sind:
- medizinische und rechtliche Fragen voneinander trennen
- Bildgebung nicht ohne klinischen Zusammenhang bewerten
- Vorschäden und degenerative Befunde ausdrücklich prüfen
- dauerhafte Funktion statt Diagnosebezeichnung beurteilen
- berufliche und alltägliche Anforderungen konkret beschreiben
- Unsicherheiten offen dokumentieren
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Rechtsberatung oder verbindliche Entscheidung einer Versicherung oder eines Gerichts.
References
[1] K. Thomann, “[Structure, contents and findings of an expert report prepared by a medical professional (I)].” Versicherungsmedizin, vol. 65 4, pp. 180–4, 2013.
[2] K. Thomann, “[The professional medical opinion: structure, content, statement (II). Part 2 of the article series: accidental bodily injury: principles of assessment].” Versicherungsmedizin, vol. 66 1, pp. 4–8, 2014.
[3] E. M. Santos, R. Watson, A. E. Dixon, and P. G. Whang, “A Comprehensive Review of Injury Causation Analysis Methodology for the Assessment of Workers’ Compensation and Motor Vehicle Collision Injuries,” The Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons, vol. 33, pp. 212–220, Nov. 2024, doi: 10.5435/jaaos-d-24-00112.
[4] G. D. Albano et al., “Imaging of musculoskeletal injury: timing estimation and medico-legal issues,” La Radiologia Medica, vol. 130, pp. 921–933, Mar. 2025, doi: 10.1007/s11547-025-01990-4.
[5] J. Gille, B. Kienast, C. Voigt, R. Oheim, A. Schulz, and V. Grosser, “Begutachtung der vorderen Kreuzbandruptur,” Der Unfallchirurg, vol. 116, pp. 238–245, Mar. 2013, doi: 10.1007/s00113-011-2079-6.
[6] M. Wich, H. Schnarbach, and A. Ekkernkamp, “Zusammenhangsfrage bei Kniegelenkverletzungen,” Oct. 07, 2009. doi: 10.1007/s10039-009-1525-y.
[7] Dr. R. Beickert et al., “Begutachtung des Rotatorenmanschettenschadens der Schulter nach Arbeitsunfällen,” Jul. 21, 2016. doi: 10.1007/s10039-016-0167-0.
[8] E. Maurer, C. Bahrs, L. Kühle, P. Ziegler, C. Gonser, and L. Stollhof, “Comparability of Patient-reported Outcome Measures and Clinical Assessment Tools for Shoulder Function in Patients with Proximal Humeral Fracture.” Zeitschrift fur Orthopadie und Unfallchirurgie, Sep. 2020, doi: 10.1055/a-1200-2797.
[9] T. Crijns, E. Z. Boersma, S. Janssen, M. Tonn, and D. Ring, “Accuracy and Reliability of MRI Reports in Diagnosing the Symptomatic Knee in Patients Who Had Bilateral MRI.” The archives of bone and joint surgery, vol. 11 1, pp. 23–28, 2023, doi: 10.22038/ABJS.2022.52845.2619.
Gutachtenart und Fragestellung vorab klären
Wenn noch unklar ist, ob ein vollständiges Privatgutachten, eine Aktenstellungnahme oder die Prüfung eines vorhandenen Gutachtens sinnvoll ist, sollte zunächst die konkrete medizinische Frage festgelegt und der vorhandene Unterlagenumfang gesichtet werden.
Hinweis: Die medizinische Begutachtung ersetzt keine Rechtsberatung und keine verbindliche Entscheidung eines Gerichts, Versicherers oder sonstigen Kostenträgers.




