MRT klinisch übersetzen
Normvarianten, degenerative Veränderungen und instabile Läsionen haben unterschiedliche Bedeutung.
SLAP-Läsion · Bizepsanker · Überkopfsport
Eine im MRT beschriebene SLAP-Läsion ist nicht automatisch ein Operationsgrund. Entscheidend ist, ob der Befund zu den Beschwerden, zum Unfallhergang, zur klinischen Untersuchung und zu den persönlichen Belastungszielen passt. Gerade am oberen Labrum können altersbedingte Veränderungen, normale anatomische Varianten und tatsächlich instabile Verletzungen ähnlich aussehen [1], [2].
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Ist im MRT eine SLAP-Läsion zu sehen?“, sondern: „Passt dieser Befund tatsächlich zu den Beschwerden und zur Funktion der Schulter?“
Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze
Medizinisch unterscheiden
Normvarianten, degenerative Veränderungen und instabile Läsionen haben unterschiedliche Bedeutung.
Junger Überkopfsportler, Alltagsbelastung und degenerativer Befund führen zu verschiedenen Strategien.
Die Wahl hängt von SLAP-Typ, Bizepssehne, Begleitbefunden und Funktionsziel ab.
SLAP-Befund-Check
Alter, Entstehung, Überkopfbelastung, Begleitbefunde und Reha-Verlauf bestimmen die Bedeutung einer SLAP-Läsion. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.
Kapitel 01
SLAP steht für „Superior Labrum Anterior to Posterior“. Gemeint ist eine Veränderung oder Verletzung des oberen Labrums an der Schulterpfanne im Bereich des Ansatzes der langen Bizepssehne. Klinisch relevant wird der Befund vor allem dann, wenn Bildgebung, Beschwerden, Untersuchung und Belastungsprofil zusammenpassen.
Kapitel 02
SLAP steht für Superior Labrum Anterior to Posterior. Gemeint ist eine Verletzung des oberen Glenoidlabrums, die sich vom vorderen zum hinteren Anteil erstrecken kann. Der Ansatz der langen Bizepssehne ist eng mit diesem Bereich verbunden. Deshalb betrifft eine SLAP-Läsion häufig nicht nur das Labrum, sondern den gesamten Bizeps-Labrum-Komplex [3].
Das Labrum vertieft die relativ flache Gelenkpfanne und unterstützt zusammen mit Kapsel, Bändern und Rotatorenmanschette die Führung des Oberarmkopfs. Eine Läsion kann Schmerzen, Klicken, Schnappen, ein Instabilitätsgefühl oder Beschwerden bei Überkopf- und Wurfbewegungen verursachen. Sie kann aber auch ohne relevante Symptome bestehen.
Kapitel 03
Die ursprüngliche Snyder-Klassifikation unterscheidet vier Grundtypen. Später wurden weitere Kombinationen und Varianten beschrieben. Die Einteilung ist für die Beschreibung hilfreich, bestimmt die Therapie aber nicht allein. Besonders die Abgrenzung zwischen degenerativem Ausfransen und einer klinisch relevanten instabilen Läsion ist nicht immer zuverlässig [4].
| Typ | Typischer Befund | Häufige therapeutische Überlegung |
|---|---|---|
| I | Degeneratives Ausfransen des oberen Labrums, Bizepsanker stabil | Oft Débridement oder konservative Behandlung, wenn der Befund Beschwerden verursacht |
| II | Ablösung des oberen Labrums und des Bizepsankers vom Glenoid | Bei anhaltenden Beschwerden Repair oder Behandlung der Bizepssehne, abhängig von Alter, Aktivität und Gewebequalität |
| III | Korbhenkelriss des Labrums, Bizepsanker meist intakt | Débridement oder Entfernung des instabilen Korbhenkelfragments; bei Begleitverletzungen individuelle Rekonstruktion |
| IV | Korbhenkelriss mit Ausdehnung in die lange Bizepssehne | Behandlung des Labrums und häufig zusätzliche Bizeps-Tenodese oder Tenotomie |
| V–X | Kombinationen, zum Beispiel mit Bankart-, hinteren oder komplexen Labrumverletzungen | Therapie der jeweils mechanisch relevanten Begleitverletzung, nicht nur des MRT-Schildes |
Die erweiterten Typen V bis X beschreiben Kombinationen und besondere Muster. Bei einer Typ-V-Läsion besteht beispielsweise eine Verbindung zu einer vorderen Bankart-Läsion. Die Typen VI bis X umfassen unter anderem instabile Lappen, hintere Ausdehnungen und komplexe Labrumverletzungen [5], [6].
Eine neuere, ursachenbezogene Sichtweise unterscheidet akute traumatische Läsionen, instabilitätsbedingte Bankart-Erweiterungen, chronische Überlastung durch Überkopfsport und degenerative Veränderungen. Diese Einordnung kann für die Therapieentscheidung hilfreicher sein als die reine Formbeschreibung [7].
Kapitel 04
Eine SLAP-Läsion kann nach einem Sturz auf den ausgestreckten Arm, einer Zugbelastung, einer Schulterluxation oder einer plötzlichen Kraftübertragung entstehen. Ein zeitnaher Schmerzbeginn, ein Reißgefühl, mechanisches Schnappen oder ein neu aufgetretenes Instabilitätsgefühl sprechen eher für eine traumatische Ursache.
Bei Werfern und anderen Überkopfsportlern können wiederholte Zug- und Rotationskräfte den Bizepsanker und das obere Labrum belasten. Gleichzeitig sind bestimmte Anpassungen der Schulter bei langjährigem Wurfsport normal. Ein Labrumsignal im MRT darf deshalb nicht ohne klinische Korrelation als alleinige Schmerzursache interpretiert werden [8], [9].
Mit zunehmendem Alter kann das obere Labrum ausfransen oder sich verändern, ohne dass eine behandlungsbedürftige Verletzung vorliegt. Eine degenerative Typ-I-Veränderung ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einem instabilen Typ-II-Schaden. Begleitende Rotatorenmanschetten- oder Bizepspathologien können die Beschwerden stärker bestimmen als der Labrum-Befund selbst [1], [4].
Kapitel 05
Typische Beschwerden sind:
Diese Symptome sind nicht spezifisch. In Betracht kommen auch:
Kapitel 06
SLAP-typische Beschwerden sind nicht spezifisch. Je weniger der Schmerz mit Überkopfbelastung, Zug, Wurfbewegung oder mechanischen Symptomen zusammenhängt, desto wichtiger wird die Suche nach anderen Ursachen. Besonders bei ausgeprägter passiver Bewegungseinschränkung, konkreter lateraler Rotatorenmanschetten-Symptomatik, isoliertem AC-Gelenkschmerz oder aus der Halswirbelsäule ausstrahlenden Beschwerden sollte die SLAP-Läsion nicht vorschnell als Hauptdiagnose gewertet werden.
Kapitel 07
Eine fachärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Schulterschmerzen nach einem Trauma anhalten, mechanisches Klicken oder Blockieren neu auftritt, Überkopf- oder Wurfbelastung deutlich eingeschränkt ist, ein MRT eine SLAP-Läsion beschreibt oder trotz strukturierter Therapie keine ausreichende Besserung eintritt. Nach Schulterluxation, bei deutlichem Kraftverlust oder neurologischen Auffälligkeiten sollte die Schulter zeitnah untersucht werden.
Kapitel 08
Zur Untersuchung gehören Beweglichkeit, Kraft, Schulterblattfunktion, Rotatorenmanschette, Bizepssehne und Stabilität. Tests wie O’Brien-, Speed-, Crank- oder Biceps-Load-Manöver können den Verdacht lenken, sind aber allein nicht zuverlässig genug für eine Operationsentscheidung.
In einer diagnostischen Studie waren die Sensitivitäten der untersuchten Tests niedrig. Auch Kombinationen mehrerer Tests veränderten die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlich reparierbaren SLAP-Läsion nur geringfügig [11]. Eine systematische Übersichtsarbeit bestätigte, dass die Aussagekraft der klinischen Tests stark schwankt und viele Studien unter methodischen Einschränkungen leiden [12].
Die Untersuchung ist trotzdem unverzichtbar. Sie entscheidet nicht isoliert über die Diagnose, zeigt aber, ob der Bildbefund zum tatsächlichen Funktionsproblem passt und ob andere Schmerzquellen wahrscheinlicher sind.
Kapitel 09
Ein natives MRT kann das Labrum, die Rotatorenmanschette, die Bizepssehne und Begleitverletzungen beurteilen. Bei einer vermuteten Labrumläsion oder Instabilität kann eine direkte MR-Arthrographie die Darstellung verbessern. Eine Meta-Analyse fand für die direkte MR-Arthrographie eine mittlere Sensitivität von 80,4 % gegenüber 63,0 % beim nicht kontrastierten MRT; die Spezifität lag bei 90,7 % beziehungsweise 87,2 % [13].
Auch die MR-Arthrographie ist nicht unfehlbar. Ein sublabraler Recess kann wie ein Riss aussehen, obwohl es sich um eine normale anatomische Struktur handelt [14], [15]. Deshalb sollten folgende Punkte gemeinsam bewertet werden:
Ein MRT-Befund ohne passende Beschwerden ist keine ausreichende Operationsindikation.
Kapitel 10
Kapitel 11
Bei den meisten SLAP-Läsionen sollte zunächst eine strukturierte nichtoperative Behandlung erfolgen. Dazu gehören Belastungsanpassung, gezielte Physiotherapie, Training der Rotatorenmanschette und des Schulterblatts sowie die Behandlung von Beweglichkeitsdefiziten, insbesondere einer Steife der hinteren Kapsel [16], [17].
Bei Überkopfsportlern sollten zusätzlich Rumpf, Hüfte und die gesamte kinetische Kette einbezogen werden. Eine systematische Übersichtsarbeit zur nichtoperativen Behandlung von Athleten fand eine Rückkehr zum Sport von etwa 54 % in der Gesamtgruppe. Bei denjenigen, die das Rehabilitationsprogramm vollständig durchführten, lag die Rückkehrquote bei etwa 78 % [18].
Ein konservativer Therapieversuch sollte nicht nur aus wenigen Physiotherapiesitzungen bestehen. Zu beurteilen sind:
Kapitel 12
Nein. Nicht jede SLAP-Läsion benötigt eine Operation. Eine Operation wird vor allem dann relevant, wenn trotz qualifizierter Rehabilitation passende Beschwerden fortbestehen und ein mechanisch plausibler Befund vorliegt.
Eine Operation sollte in der Regel erst erwogen werden, wenn die Beschwerden trotz qualifizierter Rehabilitation anhalten und ein mechanisch relevanter Befund vorliegt. Eine Ausnahme können eindeutig blockierende Lappenrisse, eine akute traumatische Begleitverletzung oder eine relevante Instabilität bilden [7].
Gegen eine vorschnelle Operation sprechen ein unspezifischer Schmerz, ein zufälliger degenerativer MRT-Befund, fehlender Funktionsverlust und eine nicht ausgeschöpfte Rehabilitation.
Kapitel 13
Bei einem stabilen Bizepsanker und reinem Ausfransen kann ein Débridement des instabilen Gewebes infrage kommen, wenn die Veränderung tatsächlich Beschwerden verursacht. Häufig ist bei einem degenerativen Befund jedoch keine Operation notwendig [4], [7].
Typ II ist die häufigste und zugleich kontroverseste Form. Bei jüngeren, sehr aktiven Patienten mit konkret instabilem Bizepsanker, guter Gewebequalität und mechanischen Beschwerden kann ein SLAP-Repair sinnvoll sein. Bei älteren oder weniger aktiven Patienten, bei Bizepssehnenpathologie, Rotatorenmanschettenriss oder degenerativem Gewebe wird häufiger eine Bizeps-Tenodese oder Tenotomie gewählt [1], [16].
Starre Altersgrenzen sind nicht ausreichend. Alter, Sportart, berufliche Belastung, Gewebequalität, Begleitverletzungen und die Bedeutung der Wurfleistung müssen gemeinsam berücksichtigt werden.
Bei einem Typ III ist der Bizepsanker meist intakt. Ein mechanisch störendes Korbhenkelfragment kann arthroskopisch entfernt oder geglättet werden. Eine zusätzliche Rekonstruktion wird nur erforderlich, wenn der verbleibende Labrumrand instabil ist oder weitere Verletzungen vorliegen [4].
Bei einem Typ IV reicht der Riss in die lange Bizepssehne. Je nach Ausmaß, Alter, Aktivitätsniveau und Sehnenqualität kommen Débridement, Repair, Tenodese oder Tenotomie infrage. Eine isolierte Labrumnaht ist bei ausgeprägter Bizepssehnenpathologie nicht immer die belastbarste Lösung [3], [4].
Bei erweiterten Typen muss die jeweils relevante Begleitverletzung behandelt werden. Eine Typ-V-Läsion kann beispielsweise eine vordere Instabilität und eine Bankart-Verletzung einschließen. Bei hinteren oder komplexen Läsionen können Kapsel, Knorpel, Rotatorenmanschette und Bizepssehne beteiligt sein. Die Operation richtet sich daher nicht allein nach der Typnummer.
Kapitel 14
Die wissenschaftliche Evidenz erlaubt keine einfache Antwort für alle Alters- und Sportgruppen.
In einer randomisierten, sham-kontrollierten Studie wurden 118 Patienten mit isolierter Typ-II-Läsion behandelt. Nach sechs und 24 Monaten gab es weder zwischen SLAP-Repair und Bizeps-Tenodese noch gegenüber der Sham-Arthroskopie klinisch relevante Unterschiede. Alle Gruppen verbesserten sich, aber keine der beiden therapeutischen Operationen war der Scheinoperation überlegen [2].
Die Studie ist wichtig, weil sie zeigt, dass auch ein arthroskopisch sichtbarer Typ-II-Befund nicht automatisch die Schmerzursache darstellt. Sie untersuchte jedoch eine streng ausgewählte Gruppe mit isolierten Läsionen und kann nicht auf akute Instabilität, große Begleitverletzungen oder jede Gruppe von Leistungssportlern übertragen werden.
Bei Überkopfsportlern unter 35 Jahren erzielten SLAP-Repair und subpectorale Bizeps-Tenodese in einer Vergleichsstudie ähnliche funktionelle Ergebnisse und ähnliche Rückkehrraten zum Sport: 79,2 % nach Repair gegenüber 85,7 % nach Tenodese. Allerdings berichteten 80 % der Tenodese-Gruppe über eine Anpassung ihrer sportlichen Aktivität wegen subjektiver Schwäche, verglichen mit 15 % nach Repair [19]. Die kleine, nicht randomisierte Studie erlaubt keine allgemeine Rangfolge.
Eine Meta-Analyse bei Patienten unter 40 Jahren fand ebenfalls keine signifikanten Unterschiede bei Funktion, Schmerz, Return to Play oder Reoperation zwischen den Verfahren [20]. Für professionelle Werfer bleibt die Entscheidung besonders unsicher, weil Rückkehr zum Sport nicht automatisch Rückkehr zum früheren Leistungsniveau bedeutet.
Bei älteren, weniger aktiven Patienten und bei begleitender Bizepssehnenpathologie wird die Behandlung der Bizepssehne häufiger bevorzugt. Der Expertenkonsens des NEER Circle favorisierte SLAP-Repair vor allem bei jüngeren, aktiven Patienten mit instabilem Bizepsanker und mechanischen Symptomen. Bei älteren Patienten, Rotatorenmanschettenriss oder fehlgeschlagenem Repair wurde eine primäre Behandlung der Bizepssehne eher bevorzugt [1].
Kapitel 15
Bei der Tenotomie wird die lange Bizepssehne durchtrennt und nicht neu befestigt. Bei der Tenodese wird sie nach der Ablösung am Oberarmknochen fixiert.
| Verfahren | Mögliche Vorteile | Wichtige Grenzen |
|---|---|---|
| Tenotomie | Einfacher Eingriff, kürzere Operationszeit, häufig unkomplizierte Nachbehandlung | Häufigeres Popeye-Zeichen, mögliche Krämpfe oder Ermüdung |
| Tenodese | Geringeres Risiko einer sichtbaren Deformität, häufig besser für körperlich Aktive und bei hohen kosmetischen Ansprüchen | Schutz der Fixierung erforderlich, Restschmerz, Fixations- oder Knochenkomplikationen möglich |
| SLAP-Repair | Erhalt des Bizepsankers bei ausgewählten jungen Patienten | Risiko für Steife, anhaltende Beschwerden und Revisionsoperation |
Randomisierte Studien und Meta-Analysen zeigen bei Tenotomie und Tenodese ähnliche Verbesserungen von Schmerz und Funktion. Der wichtigste konsistente Unterschied ist das höhere Risiko eines Popeye-Zeichens nach Tenotomie [21], [22]. Die Tenotomie kann deshalb bei älteren oder weniger belasteten Personen sinnvoll sein; bei jüngeren, sportlich aktiven oder kosmetisch anspruchsvollen Patienten wird häufiger eine Tenodese erwogen.
Arthroskopische suprapectorale und offene subpectorale Tenodese erzielten in einer systematischen Übersichtsarbeit ähnliche Funktionswerte. Die offene Technik zeigte numerisch mehr Wund-, Nerven- und Reoperationsprobleme, die Unterschiede waren jedoch nicht statistisch sicher [23].
Kapitel 16
Nach einem fehlgeschlagenen SLAP-Repair sollte ein erneuter Repair nicht automatisch die nächste Behandlung sein. Eine Bizeps-Tenodese ist ein etabliertes Revisionsverfahren, wenn persistierende Schmerzen, Bizepspathologie oder ein instabiler Anker vorliegen.
Kleine Studien berichteten nach subpectoraler oder arthroskopischer Tenodese deutliche Verbesserungen von Schmerz, Funktion und Beweglichkeit [24], [25]. Die Evidenz beruht jedoch überwiegend auf Fallserien und retrospektiven Kohorten ohne geeignete Kontrollgruppe.
Primäre Tenodese erzielte in einer Vergleichsstudie bessere ASES-, SSV- und Schmerzwerte als eine Tenodese nach fehlgeschlagenem Repair. Die Rückkehr zum Sport war dagegen nicht signifikant verschieden [26]. Das spricht dafür, eine primäre Repair-Strategie bei ungünstigem Risikoprofil kritisch zu prüfen, statt ein Versagen und eine spätere Revisionsoperation in Kauf zu nehmen.
Kapitel 17
Die Nachbehandlung richtet sich nach dem Eingriff. Nach einem Repair muss der Bizepsanker biologisch einheilen; nach einer Tenodese muss die Fixierung geschützt werden. Typische Bausteine sind:
Eine systematische Übersicht fand nach operativer Behandlung eine Rückkehr zu irgendeinem Sportniveau von etwa 93 %, aber nur etwa 72 % erreichten wieder das frühere Leistungsniveau. Die mittlere Rückkehrzeit lag in den Studien, die sie berichteten, bei rund sieben Monaten. Die Definitionen und Rehabilitationsprotokolle waren allerdings sehr uneinheitlich [27].
Nach SLAP-Repair lag die Rückkehr zum Sport in einer neueren Übersicht bei etwa 77,5 %, die Rückkehr auf das frühere Niveau bei 68,2 %. Bei Überkopfsportlern waren die Werte niedriger [28]. Eine Freigabe sollte deshalb nicht nur nach einer festen Zeit, sondern nach funktionellen und sportartspezifischen Kriterien erfolgen.
Kapitel 18
Kapitel 19
PRP, ACP, Hyaluronsäure, Knochenmarkaspirat, Microfat und andere orthobiologische Verfahren werden bei verschiedenen Schultererkrankungen untersucht. Für die isolierte SLAP-Läsion gibt es derzeit jedoch keine belastbare spezifische Evidenz dafür, dass eine Injektion einen mechanisch instabilen oder abgelösten Bizepsanker zuverlässig refixiert oder eine notwendige Stabilisation ersetzt.
Das bedeutet nicht, dass bioregenerative Verfahren bei Schulterschmerzen grundsätzlich ohne Stellenwert sind. Bei ausgewählten Begleitpathologien – beispielsweise tendinopathischen oder degenerativen Beschwerdekomponenten – kann eine ergänzende Behandlung individuell diskutiert werden. Entscheidend ist, welches Gewebe tatsächlich symptomatisch ist und welches Ziel mit der Injektion verfolgt wird.
Die vorhandene Literatur zu Orthobiologika an der Schulter ist heterogen; Präparate, Injektionsorte, Dosen und Begleitbehandlungen unterscheiden sich erheblich [29]. Eine seriöse Einordnung sollte deshalb zwischen biologischer Schmerzmodulation und einer mechanischen Refixation des Labrums unterscheiden. Bei dislozierten Fragmenten, deutlicher Instabilität oder relevanten Begleitverletzungen ist eine Injektion keine gleichwertige Stabilisationsbehandlung.
Kapitel 20
Eine orthopädische Zweitmeinung ist besonders hilfreich, wenn:
Kapitel 21
Eine Zweitmeinung bei Dr. Daniel Berthold in München kann diese Punkte an Unfallhergang, Bildgebung, Sport- und Berufsanforderungen sowie an den persönlichen Zielen ausrichten. Die direkt SLAP-spezifische Literatur bleibt dabei wichtiger als die bloße Existenz eines auffälligen MRT-Befundes.
Kapitel 22
Kapitel 23
SLAP steht für „Superior Labrum Anterior to Posterior“. Gemeint ist eine Veränderung oder Verletzung des oberen Labrums im Bereich des Ansatzes der langen Bizepssehne. Entscheidend ist nicht allein das MRT-Signal, sondern ob der Befund die Beschwerden tatsächlich erklärt.
Nein. Auch eine Typ-II-Läsion ist nicht automatisch ein Operationsgrund. Zunächst sollten Beschwerden, Bizepsanker-Stabilität, Begleitverletzungen und der Erfolg einer strukturierten Rehabilitation bewertet werden. Bei anhaltenden mechanischen Beschwerden kann anschließend ein Repair oder eine Bizeps-Tenodese diskutiert werden.
Ja. Beschwerden können sich unter Belastungsanpassung und strukturierter Rehabilitation deutlich bessern, auch wenn eine strukturelle Veränderung im MRT weiterhin sichtbar bleibt. Besonders wichtig sind Rotatorenmanschette, Schulterblattkontrolle, Beweglichkeit der hinteren Kapsel und bei Überkopfsportlern die gesamte kinetische Kette.
Nein. Ein MRT ist ein wichtiger Baustein, aber keine alleinige Operationsindikation. Normale Varianten und degenerative Veränderungen können wie eine SLAP-Läsion aussehen. Die Bildgebung muss deshalb mit Anamnese, Untersuchung und Funktion der Schulter abgeglichen werden.
Bei unklarer Labrumdiagnostik oder vermuteter Instabilität kann eine direkte MR-Arthrographie die Darstellung des Labrums verbessern. Auch sie ist jedoch nicht unfehlbar; insbesondere ein sublabraler Recess kann einen Riss imitieren.
Es gibt keine pauschal beste Operation. Ein Repair kann bei ausgewählten jüngeren, sehr aktiven Patienten mit instabilem Bizepsanker und guter Gewebequalität sinnvoll sein. Eine Tenodese wird häufiger bei degenerativem Gewebe, Bizepspathologie, Begleitverletzungen oder nach fehlgeschlagenem Repair erwogen.
Bei der Tenotomie wird die lange Bizepssehne durchtrennt, ohne sie erneut am Knochen zu fixieren. Bei der Tenodese wird sie nach der Ablösung außerhalb des Gelenks am Oberarmknochen fixiert. Die Tenotomie hat ein höheres Risiko für ein sichtbares Popeye-Zeichen; die Tenodese benötigt Schutz der Fixierung.
Das hängt von Beschwerden, Sportart und Befund ab. Schmerzfreie Belastungen sind häufig möglich. Wurf-, Überkopf- und Zugbelastungen müssen bei symptomatischen Läsionen oft vorübergehend reduziert und anschließend stufenweise aufgebaut werden.
Für die isolierte instabile SLAP-Läsion ist nicht belegt, dass PRP oder andere Injektionen den Bizepsanker mechanisch refixieren. Bei ausgewählten begleitenden Sehnen- oder degenerativen Beschwerden kann eine orthobiologische Behandlung dennoch ergänzend diskutiert werden; die Zielstruktur muss konkret definiert sein.
Besonders vor einer geplanten Operation, bei unklarer MRT-Klinik-Korrelation, bei Typ-II- oder komplexen Läsionen, bei sportlich hohen Anforderungen und nach einem fehlgeschlagenen SLAP-Repair kann eine spezialisierte Zweitmeinung helfen, die Optionen strukturiert gegeneinander abzuwägen.
Kapitel 24
SLAP-Läsionen sind keine einheitliche Erkrankung. Typ I, Typ II, Typ III, Typ IV und die erweiterten Typen V bis X unterscheiden sich hinsichtlich Bizepsanker, Labrumstabilität, Begleitverletzungen und möglicher Behandlung.
Die erste Behandlung ist häufig eine strukturierte Rehabilitation. Eine Operation kommt eher bei anhaltenden, passenden Beschwerden und einem mechanisch relevanten Befund infrage. Bei jungen, aktiven Patienten mit instabilem Bizepsanker kann ein SLAP-Repair sinnvoll sein. Bei älteren oder weniger aktiven Patienten, Bizepssehnenpathologie, degenerativem Gewebe oder fehlgeschlagenem Repair wird häufiger eine Bizeps-Tenodese oder Tenotomie gewählt [1], [16].
Die Studienlage zeigt jedoch keine universelle Überlegenheit eines Verfahrens. Selbst bei Typ-II-Läsionen fanden sich in einer sham-kontrollierten Studie keine klinisch wichtigen Vorteile von Repair oder Tenodese gegenüber einer diagnostischen Arthroskopie [2]. Die Operationsentscheidung muss deshalb aus Beschwerden, Untersuchung, Bildgebung, Gewebequalität, Alter, Aktivitätsniveau und realistischen Zielen entstehen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Bildbesprechung oder ärztliche Therapieentscheidung.
Evidenz
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[27] N. Freijomil, S. Peters, A. Millay, T. Sinda, J. Sunset, and M. P. Reiman, “THE SUCCESS OF RETURN TO SPORT AFTER SUPERIOR LABRUM ANTERIOR TO POSTERIOR (SLAP) TEARS: A SYSTEMATIC REVIEW AND META-ANALYSIS.” International journal of sports physical therapy, vol. 15 5, pp. 659–670, Oct. 2020, doi: 10.26603/ijspt20200659.
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[29] N. B. Condron et al., “Nonoperative and Operative Soft-Tissue, Cartilage, and Bony Regeneration and Orthopaedic Biologics of the Shoulder: An Orthoregeneration Network (ON) Foundation Review.” Arthroscopy : the journal of arthroscopic & related surgery : official publication of the Arthroscopy Association of North America and the International Arthroscopy Association, Jul. 2021, doi: 10.1016/j.arthro.2021.06.033.

Meine persönliche Einordnung
Originalbilder, Untersuchung, Funktion, Verlauf und Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.
Aktive Rehabilitation und Belastungssteuerung bilden bei vielen Schulterproblemen die Grundlage.
PRP, Hyaluronsäure, Stoßwelle oder weitere Verfahren können je nach Diagnose ein aktives Behandlungskonzept unterstützen.
Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.
Mitbringen: Original-MRT-, CT- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.
SLAP-Befund prüfenSprechstunde in München
Im Termin besprechen wir Rehabilitation, mögliche Zusatzbehandlungen und die Frage, ob ein Eingriff medizinisch sinnvoll ist.