AC-Gelenk · Rockwood · Sportorthopädie

AC-Gelenksprengung & AC-Gelenk-Instabilität: OP oder konservativ?

Eine AC-Gelenksprengung kann auf dem Röntgenbild ausgeprägt aussehen und trotzdem langfristig eine sehr gute Schulterfunktion erlauben. Umgekehrt können vergleichsweise unscheinbare Befunde bei Sport, Überkopfbewegungen oder körperlicher Arbeit anhaltende Beschwerden verursachen.

Deshalb sollte die Behandlungsentscheidung nicht allein vom sichtbaren „Hochstand“ des Schlüsselbeins oder vom Rockwood-Grad abhängen. Entscheidend ist, ob die Verletzung tatsächlich eine funktionell relevante Instabilität verursacht – vertikal, horizontal oder rotatorisch – und wie sich Schulter und Schulterblatt unter Belastung verhalten.

Gerade bei Rockwood-III-Verletzungen ist diese Unterscheidung wichtig: Nicht jede vollständige Bandsprengung muss operiert werden.

Autor und medizinisch verantwortlichPD Dr. med. Daniel P. BertholdFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieInhaltlich aktualisiert am

Persönliche klinische Schulteruntersuchung durch PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Das Wichtigste in Kürze

Die Therapie folgt der Ursache, Funktion und Ihrem Ziel.

  • Rockwood I und II werden in der Regel konservativ behandelt.
  • Bei Rockwood III ist eine Operation nicht automatisch notwendig.
  • Auch bei höhergradigen Verletzungen sollten Bildgebung, tatsächliche Instabilität, Beschwerden und funktioneller Anspruch gemeinsam beurteilt werden.
  • Eine sichtbare Stufe am Schultereckgelenk bedeutet nicht automatisch eine schlechte Schulterfunktion.
  • Horizontale beziehungsweise rotatorische Instabilität kann klinisch relevant sein, obwohl die vertikale Stellung im Röntgen akzeptabel erscheint.
  • Die Rückkehr zu Arbeit und Sport sollte anhand der Schulterfunktion und nicht ausschließlich anhand einer festen Wochenzahl erfolgen.

Medizinisch unterscheiden

Nicht die sichtbare Stufe allein entscheidet über die Operation.

01 · Klassifikation

Rockwood ist der Ausgangspunkt

Der Grad beschreibt die Verletzung, ersetzt aber nicht die klinische Funktionsprüfung.

02 · Funktion

Horizontal und vertikal prüfen

Schulterblattkontrolle, horizontale Instabilität und Belastung sind für Symptome und Therapie zentral.

03 · Verlauf

Akut, chronisch oder Revision

Zeitpunkt, Gewebeheilung, Voroperationen und Bohrkanäle verändern die Rekonstruktionsstrategie.

AC-Gelenk-Entscheidungsfinder

Ist die Funktion konservativ erreichbar oder sollte eine Stabilisierung geprüft werden?

Nicht der Rockwood-Grad allein, sondern horizontale Stabilität, Schulterblattfunktion und Belastung entscheiden. Der Check stellt keine Diagnose. Antworten werden weder gespeichert noch übertragen.

Frage 01 / 04
Besteht ein akutes Warnzeichen?

Kapitel 01

Kurz erklärt: Was ist eine AC-Gelenksprengung?

Das Akromioklavikulargelenk – kurz AC-Gelenk oder Schultereckgelenk – verbindet das äußere Ende des Schlüsselbeins mit dem Schulterdach.

Stabilisiert wird es insbesondere durch zwei Bandkomplexe:

AC-Bänder: wichtig für die horizontale und rotatorische Stabilität.

Korakoklavikuläre Bänder: Conoid- und Trapezoidband stabilisieren vor allem die Verbindung zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt in vertikaler Richtung.

Bei einer AC-Gelenksprengung können Gelenkkapsel, AC-Bänder, korakoklavikuläre Bänder und bei höhergradigen Verletzungen auch die umgebenden Weichteilstrukturen geschädigt werden. Dadurch kann das äußere Schlüsselbein gegenüber dem Schulterblatt verschoben erscheinen.

Kapitel 02

Welche Beschwerden sind typisch?

Typisch sind Schmerzen direkt über dem Schultereckgelenk. Häufig verstärken sie sich beim Anheben des Arms, bei horizontaler Bewegung des Arms vor dem Körper oder beim Liegen auf der betroffenen Schulter.

  • Druckschmerz über dem AC-Gelenk
  • Schwellung nach einem Unfall
  • sichtbare Stufe zwischen Schlüsselbein und Schulterdach
  • Schmerzen bei Überkopfbewegungen
  • Beschwerden bei Liegestützen, Bankdrücken oder Stützbelastungen
  • reduzierte Kraft oder Belastbarkeit
  • gestörte Schulterblattbewegung
  • subjektives Instabilitätsgefühl

Wichtig: Eine sichtbare Fehlstellung und die tatsächliche Schulterfunktion sind nicht dasselbe.

Ein prominentes Schlüsselbein kann dauerhaft sichtbar bleiben, obwohl die Schulter gut funktioniert.

Kapitel 03

Rockwood-Klassifikation: Wie schwer ist die Verletzung?

Die Rockwood-Klassifikation beschreibt Art und Ausmaß der Verletzung.

Rockwood I

Die Bänder sind überdehnt, aber nicht vollständig gerissen. Eine relevante Instabilität besteht nicht. Typische Behandlung: konservativ.

Rockwood II

Die AC-Bänder sind verletzt, die korakoklavikulären Strukturen aber noch zumindest teilweise erhalten. Typische Behandlung: konservativ.

Rockwood III

AC- und korakoklavikuläre Bänder sind vollständig verletzt. Es besteht eine vertikale Instabilität; eine zusätzliche horizontale oder rotatorische Instabilität kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Typische Behandlung: individuelle Entscheidung – häufig zunächst konservativ.

Rockwood IV

Das äußere Schlüsselbein ist nach hinten verlagert. Typische Behandlung: spezialisierte operative Beurteilung.

Rockwood V

Ausgeprägte vertikale Fehlstellung mit weitergehender Weichteilverletzung. Typische Behandlung: häufig operative Beurteilung; die Entscheidung sollte dennoch patientenindividuell erfolgen.

Rockwood VI

Sehr seltene schwere Fehlstellung. Typische Behandlung: meist operative Stabilisierung.

Kapitel 04

Warum der Rockwood-Grad allein nicht über eine Operation entscheiden sollte

Die Rockwood-Klassifikation ist hilfreich, bildet aber nicht die gesamte Funktion des AC-Gelenks ab.

Besteht zusätzlich zur vertikalen Instabilität eine symptomatische horizontale oder rotatorische Instabilität?

Eine solche Instabilität kann bei normalen Röntgenaufnahmen unterschätzt werden.

Auch die vorgeschlagene Unterteilung von Rockwood III in IIIA und IIIB sollte nicht isoliert als Operationsentscheidung verwendet werden. Entscheidend bleibt die Kombination aus klinischem Befund, Schulterblattfunktion, Beschwerden und Belastungsanforderungen.

Kapitel 05

Wie wird eine AC-Gelenk-Instabilität diagnostiziert?

Klinische Untersuchung

Die Untersuchung sollte nicht nur prüfen, ob das Schlüsselbein sichtbar hochsteht. Relevant sind unter anderem:

  • Schmerzlokalisation
  • Beweglichkeit
  • Druckschmerz über dem AC-Gelenk
  • Cross-body-Adduktion
  • horizontale Verschiebbarkeit
  • Schulterblattkontrolle
  • Kraft
  • Beschwerden unter funktioneller Belastung

Besonders bei chronischen Beschwerden muss geprüft werden, ob das AC-Gelenk tatsächlich die Ursache der Beschwerden ist.

Welche Röntgenbilder sind sinnvoll?

Eine beidseitige Zanca-Aufnahme ist für die Beurteilung der vertikalen Instabilität besonders hilfreich. Der Vergleich mit der Gegenseite erlaubt eine bessere Einordnung des korakoklavikulären Abstandes als die alleinige Betrachtung der verletzten Schulter.

Die horizontale Instabilität ist schwieriger abzubilden. Hier können zusätzliche Spezialaufnahmen hilfreich sein; gleichzeitig bleibt die klinische Untersuchung besonders wichtig.

Brauche ich ein MRT?

Nein, nicht jede AC-Gelenksprengung benötigt ein MRT.

Bei einer typischen akuten Verletzung kann eine korrekt durchgeführte Röntgendiagnostik zusammen mit der klinischen Untersuchung bereits ausreichend sein.

Ein MRT kann sinnvoll werden bei:

  • unklaren Beschwerden
  • widersprüchlichem klinischem und radiologischem Befund
  • Verdacht auf Begleitverletzungen
  • chronischen Beschwerden
  • unklarer Schmerzursache

Vor einer Revision können zusätzlich CT beziehungsweise 3-D-CT relevant werden, beispielsweise zur Beurteilung von Bohrkanälen, Knochenverlust oder implantatbezogenen Problemen.

Mehr Bildgebung bedeutet dabei nicht automatisch eine bessere Therapieentscheidung.

Kapitel 06

Muss eine AC-Gelenksprengung operiert werden?

Nein. Eine AC-Gelenksprengung ist nicht automatisch eine Operationsindikation.

Die wissenschaftliche Vergleichsevidenz zeigt insbesondere für Rockwood III keinen überzeugenden langfristigen funktionellen Vorteil einer routinemäßigen sofortigen Operation gegenüber einer konservativen Behandlung. Auch für gemischte Gruppen höhergradiger Verletzungen zeigen randomisierte Daten langfristig häufig vergleichbare patientenberichtete Ergebnisse.

Eher konservativ behandeln, wenn …

  • Rockwood I oder II vorliegt
  • bei Rockwood III eine gute Funktion erreichbar ist
  • keine relevante symptomatische horizontale Instabilität besteht
  • die Schulterblattkontrolle wiederhergestellt werden kann
  • Schmerzen und Funktion unter Rehabilitation kontinuierlich besser werden
  • Alltag, Arbeit und Sport zunehmend wieder möglich sind

Eine Operation sollte genauer geprüft werden, wenn …

  • eine Rockwood-IV-, -V- oder -VI-Verletzung vorliegt
  • eine ausgeprägte klinisch relevante horizontale oder rotatorische Instabilität besteht
  • trotz konsequenter Rehabilitation Schmerzen und Funktionsverlust fortbestehen
  • die Schulter unter beruflicher oder sportlicher Belastung instabil bleibt
  • eine relevante Schulterblattdysfunktion nicht kontrollierbar ist
  • Begleitverletzungen eine operative Versorgung erfordern
  • eine symptomatische chronische Instabilität entstanden ist

Besonders sinnvoll ist eine Zweitmeinung, wenn …

… die Operationsindikation im Wesentlichen nur mit dem Rockwood-Grad oder dem sichtbaren Hochstand des Schlüsselbeins begründet wird.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Sieht das Gelenk normal aus?“ Sondern: „Funktioniert der Schultergürtel unter den individuellen Anforderungen stabil und schmerzarm?“

Kapitel 07

Wie wird eine AC-Gelenksprengung konservativ behandelt?

Bei leichten Verletzungen und vielen Rockwood-III-Verletzungen ist die konservative Behandlung die erste Strategie.

Zu Beginn können eine kurzzeitige Entlastung und eine Armschlinge die Schmerzen reduzieren. Danach sollte die Schulter schrittweise wieder bewegt werden.

Im weiteren Verlauf stehen im Vordergrund:

1. Wiederherstellung einer schmerzarmen Beweglichkeit.

2. Kontrolle der Schulterblattbewegung.

3. Aufbau der Schulter- und Schultergürtelmuskulatur.

4. Wiederherstellung von Kraft und Belastbarkeit.

5. Sport- oder berufsspezifisches Training.

Die Rehabilitation sollte nicht allein nach Kalender gesteuert werden. Schmerzen, Bewegungsqualität, Schulterblattkontrolle, Kraft und Reaktion auf zunehmende Belastung sind aussagekräftiger als eine starre Zahl von Wochen.

Kapitel 08

Was wird bei einer AC-Gelenk-Operation gemacht?

Ziel einer Operation ist es, die funktionell relevante Instabilität des Schultergürtels zu korrigieren.

Dabei sollte nicht ausschließlich die vertikale Stellung des Schlüsselbeins betrachtet werden.

Je nach Verletzung können korakoklavikuläre Stabilisierung, Rekonstruktion beziehungsweise Reparatur der AC-Strukturen und zusätzliche Verfahren zur Kontrolle horizontaler oder rotatorischer Instabilität kombiniert werden.

Akute Verletzung

In der frühen Phase besteht noch ein biologisches Heilungspotenzial der verletzten Bandstrukturen. Bei entsprechenden Operationsindikationen werden heute häufig arthroskopisch assistierte oder offene anatomisch orientierte Stabilisierungsverfahren eingesetzt.

Chronische Instabilität

Bei länger bestehender symptomatischer Instabilität reicht eine reine mechanische Reposition häufig nicht aus. Dann kann eine anatomische Bandrekonstruktion mit Sehnentransplantat sinnvoll sein. Besonders wichtig ist, sowohl die korakoklavikuläre als auch die horizontale beziehungsweise rotatorische Stabilität des AC-Gelenks zu berücksichtigen.

Kapitel 09

Gibt es die beste Operationsmethode?

Eine eindeutig überlegene Operationstechnik für alle Patienten gibt es nach aktueller Datenlage nicht.

Unterschiedliche Verfahren können gute Ergebnisse erreichen. Entscheidend sind vielmehr:

  • Verletzungsmuster
  • akute oder chronische Situation
  • vertikale und horizontale Instabilität
  • vorhandene Knochenqualität
  • Voroperationen
  • sportliche beziehungsweise berufliche Anforderungen

Mögliche Risiken einer Stabilisierung sind unter anderem Repositionsverlust, persistierende Instabilität, Materialprobleme, Infektion, Frakturen, Tunnelaufweitung, heterotope Ossifikation und notwendige Folgeeingriffe.

Kapitel 10

Akute oder chronische AC-Gelenk-Instabilität – warum ist das wichtig?

Traditionell wird etwa die Grenze von drei Wochen genutzt, um zwischen akuten und chronischen Verletzungen zu unterscheiden. Diese Grenze hilft bei der Operationsplanung, ist aber kein starres biologisches Ablaufdatum.

Eine Vorstellung nach mehreren Wochen bedeutet nicht automatisch, dass keine sinnvolle Therapie mehr möglich ist.

Bei chronischen Beschwerden ist vielmehr entscheidend:

1. Besteht wirklich eine symptomatische Instabilität?

2. Liegt eine horizontale oder rotatorische Instabilität vor?

3. Wurde eine strukturierte Rehabilitation ausreichend durchgeführt?

4. Welches funktionelle Defizit soll durch eine Operation verbessert werden?

Kapitel 11

Was passiert bei einer fehlgeschlagenen AC-Gelenk-Operation?

Vor einer erneuten Operation sollte nicht einfach dasselbe Verfahren wiederholt werden. Sinnvoll ist eine strukturierte Fehleranalyse.

Dabei können unter anderem untersucht werden:

  • ursprüngliche Operationsindikation
  • Art der verbliebenen Instabilität
  • Verlust der Reposition
  • horizontale oder rotatorische Instabilität
  • Position bestehender Bohrkanäle
  • Knochenqualität
  • Implantatprobleme
  • biologisches Einheilen
  • erneutes Trauma

Gerade vor einer Revision ist eine unabhängige Beurteilung deshalb besonders sinnvoll.

Kapitel 12

Welche Rolle spielen PRP, ACP, Hyaluronsäure oder andere biologische Verfahren?

Bei chronischer AC-Gelenk-Instabilität muss zwischen zwei völlig unterschiedlichen Begriffen unterschieden werden.

Eine biologische Bandrekonstruktion bezeichnet häufig die operative Rekonstruktion mit einem Sehnentransplantat. Das ist nicht dasselbe wie eine PRP-, ACP-, Hyaluronsäure- oder Zellinjektion.

Für Injektionsverfahren besteht derzeit kein belastbarer Nachweis, dass sie eine relevante mechanische AC-Gelenk-Instabilität stabilisieren oder eine notwendige Bandrekonstruktion ersetzen können. Sie sollten deshalb nicht als Ersatz für eine notwendige mechanische Stabilisierung oder eine strukturierte Rehabilitation dargestellt werden.

Kapitel 13

Wann kann ich wieder Sport machen?

Die Rückkehr zum Sport sollte nicht allein nach einer bestimmten Anzahl von Wochen erfolgen.

Sinnvolle Kriterien sind:

  • schmerzfreie Alltagsbewegungen
  • nahezu vollständige kontrollierte Beweglichkeit
  • ausreichend wiederhergestellte Kraft
  • stabile Schulterblattbewegung
  • kein relevantes Instabilitätsgefühl
  • belastbare Stütz- und Überkopfbewegungen
  • sportartspezifische Funktionstests

Die Anforderungen unterscheiden sich erheblich. Ein Läufer benötigt eine andere Schulterfunktion als ein Tennisspieler, Handballer, CrossFit-Athlet, Radfahrer oder Kontaktsportler.

Deshalb sollte zwischen Return to Activity, Return to Sport und Return to Performance unterschieden werden.

Kapitel 14

Wann ist eine Zweitmeinung beim AC-Gelenk besonders sinnvoll?

Eine spezialisierte Zweitmeinung kann besonders hilfreich sein, wenn:

  • bei Rockwood III unmittelbar operiert werden soll
  • die Operationsentscheidung fast ausschließlich aufgrund des Röntgenbildes getroffen wurde
  • die horizontale Stabilität nicht untersucht wurde
  • Beschwerden und Bildgebung nicht zusammenpassen
  • trotz vermeintlich guter Reposition weiterhin Schmerzen bestehen
  • nach konservativer Therapie Unsicherheit über das weitere Vorgehen besteht
  • eine chronische Rekonstruktion mit Sehnentransplantat empfohlen wurde
  • eine vorherige AC-Gelenk-Stabilisierung fehlgeschlagen ist
  • eine Revisionsoperation geplant wird
  • sportliche oder berufliche Anforderungen besonders hoch sind

Welche Unterlagen sind hilfreich?

Wenn vorhanden:

  • ursprüngliche Röntgenaufnahmen
  • aktuelle Röntgenbilder
  • vorhandene MRT- oder CT-Bilder
  • Operationsbericht bei Voroperation
  • frühere Arztberichte
  • Angaben zur bisherigen Rehabilitation

Gerade bei Bildgebung ist die Beurteilung der Originalbilder häufig aussagekräftiger als ein schriftlicher Befund allein.

Kapitel 15

Einschätzung aus der Praxis

Bei einer AC-Gelenksprengung entscheidet nicht allein die Höhe des Schlüsselbeins über die Therapie. Entscheidend ist, ob vertikale und horizontale Stabilität, Schulterblattfunktion, Beschwerden und die individuellen Belastungsanforderungen miteinander vereinbar sind.

PD Dr. med. Daniel P. Berthold beschäftigt sich klinisch und wissenschaftlich mit AC-Gelenk-Instabilitäten sowie mit primären und fehlgeschlagenen Rekonstruktionen. Mehrere seiner wissenschaftlichen Arbeiten untersuchen Behandlungsalgorithmen, Instabilitätsmechanismen und Ursachen des Versagens nach AC-Gelenk-Stabilisierungen.

Kapitel 16

Zweitmeinung zur AC-Gelenksprengung in München

Wenn Ihnen eine Operation empfohlen wurde oder nach einer AC-Gelenkverletzung weiterhin Beschwerden bestehen, kann eine strukturierte Zweitbeurteilung klären:

  • welcher Verletzungstyp tatsächlich vorliegt
  • ob die Instabilität klinisch relevant ist
  • ob eine konservative Behandlung noch sinnvoll ist
  • welches Ziel eine Operation erreichen soll
  • welches Verfahren bei einer chronischen Situation erforderlich wäre
  • ob bei einer Voroperation eine Revision sinnvoll ist

Die richtige Frage lautet nicht einfach „Operation ja oder nein?“, sondern welche Behandlung für den konkreten Befund und Ihre persönlichen Ziele medizinisch sinnvoll ist.

Termin zur spezialisierten Beurteilung

Kapitel 17

Häufige Fragen zur AC-Gelenksprengung

Muss Rockwood III operiert werden?

Nein. Rockwood III ist keine automatische Operationsindikation. Viele Patienten erreichen mit einer strukturierten konservativen Behandlung eine sehr gute Funktion. Eine Operation sollte insbesondere dann diskutiert werden, wenn eine klinisch relevante Instabilität und bleibende Funktionseinschränkung bestehen.

Muss Rockwood V immer operiert werden?

Nicht zwangsläufig. Rockwood V wird häufig operativ beurteilt, weil eine ausgeprägte Instabilität und Weichteilverletzung vorliegt. Die aktuelle Vergleichsevidenz zeigt jedoch, dass auch höhergradige Verletzungen nicht ausschließlich anhand des Röntgenbildes beurteilt werden sollten.

Bleibt die Beule auf der Schulter bestehen?

Das kann passieren. Nach einer konservativ behandelten höhergradigen Verletzung kann das äußere Schlüsselbein sichtbar prominent bleiben. Eine sichtbare Stufe bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Schulter funktionell eingeschränkt ist.

Kann eine AC-Gelenksprengung von selbst heilen?

Bei niedriggradigen Verletzungen können die geschädigten Strukturen unter konservativer Behandlung gut ausheilen. Bei vollständiger Bandruptur bleibt die anatomische Stellung häufig verändert. Trotzdem kann eine sehr gute funktionelle Stabilität erreicht werden.

Brauche ich bei einer AC-Gelenksprengung ein MRT?

Meist nicht zwingend. Klinische Untersuchung und geeignete Röntgenaufnahmen reichen bei typischen Verletzungen häufig aus. Ein MRT wird insbesondere bei unklaren Beschwerden oder Verdacht auf Begleitverletzungen interessant.

Warum tut meine Schulter weh, obwohl das Röntgenbild gut aussieht?

Schmerz und radiologische Stellung korrelieren nicht immer. Eine verbliebene horizontale oder rotatorische Instabilität, eine gestörte Schulterblattbewegung oder andere Begleitprobleme können Beschwerden verursachen.

Kann eine alte AC-Gelenksprengung noch operiert werden?

Ja. Auch chronische symptomatische Instabilitäten können rekonstruiert werden. Häufig unterscheidet sich das Operationsverfahren jedoch von der Akutversorgung; bei chronischen Fällen kann beispielsweise ein Sehnentransplantat erforderlich sein.

Hilft PRP bei einer AC-Gelenk-Instabilität?

PRP kann eine mechanisch relevante Bandinstabilität nach aktueller Evidenz nicht zuverlässig stabilisieren und ersetzt keine notwendige Rekonstruktion. Entscheidend ist zunächst, ob überhaupt eine mechanische Instabilität Ursache der Beschwerden ist.

Wann darf ich nach einer AC-Gelenksprengung wieder Sport machen?

Das hängt von Verletzungsgrad, Behandlung, Sportart und funktioneller Erholung ab. Statt einer einzelnen Wochenzahl sollten Beweglichkeit, Kraft, Schulterblattkontrolle, Schmerzfreiheit und sportartspezifische Belastbarkeit beurteilt werden.

Was sollte vor einer Revision untersucht werden?

Vor einer erneuten Operation sollte geklärt werden, warum die erste Stabilisierung nicht ausreichend funktioniert hat. Dazu gehören insbesondere Instabilitätsrichtung, Bohrkanäle, Knochenqualität, Implantate, Repositionsverlust, erneutes Trauma und die ursprüngliche Operationsindikation.

Evidenz

Wissenschaftliche Quellen

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Persönliche Befund- und Bildbesprechung bei Schulterbeschwerden

Meine persönliche Einordnung

Entscheidungshilfe und Zweitmeinung: Was passt zu dieser Schulter?

Originalbilder, Untersuchung, Funktion, Verlauf und Ihr persönliches Alltags-, Berufs- oder Sportziel werden gemeinsam beurteilt.

Welche Behandlung kommt infrage?

01Konservativ aufbauen

Aktive Rehabilitation und Belastungssteuerung bilden bei vielen Schulterproblemen die Grundlage.

02Sinnvoll ergänzen

PRP, Hyaluronsäure, Stoßwelle oder weitere Verfahren können je nach Diagnose ein aktives Behandlungskonzept unterstützen.

03Operation gezielt prüfen

Ein Eingriff wird erwogen, wenn eine konkret behandelbare Struktur die relevante Einschränkung erklärt.

Fragen für das Arztgespräch.

  1. Welcher Rockwood-Typ liegt tatsächlich vor?
  2. Wurde die horizontale beziehungsweise rotatorische Instabilität untersucht?
  3. Erklärt die Instabilität die Beschwerden und Schulterblattfunktion?

Weitere Fragen.

  1. Ist eine strukturierte Rehabilitation noch sinnvoll?
  2. Welches funktionelle Ziel hätte eine Operation?
  3. Wurde vor einer Revision eine vollständige Fehleranalyse durchgeführt?

Zum Termin mitbringen.

Mitbringen: Original-MRT-, CT- oder Röntgendaten, radiologischen Befund, frühere Aufnahmen und Operationsberichte sowie eine kurze Übersicht der bisherigen Behandlung.

AC-Gelenk-Zweitmeinung
PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Über den Autor

PD Dr. med. Daniel P. Berthold

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit klinischem und wissenschaftlichem Schwerpunkt Schulter- und Sportorthopädie. Konservative und operative Erfahrung, aktuelle Forschung sowie biologische Verfahren fließen in die persönliche Therapieentscheidung ein.

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